DAS KEMPTENER STADTMAGAZIN

Tipps für Fair Fashion ohne Pestizide und Mikroplastik

 

Bio-Baumwolle macht den Unterschied

Fair Fashion klingt für viele nach Verzicht, hohen Preisen oder einem Lebensstil, der nur für wenige erreichbar ist. Dabei beginnt faire Mode oft mit ganz einfachen Fragen: Was steckt eigentlich in unserer Kleidung? Und wie können wir mit kleinen Entscheidungen im Alltag viel bewirken?

 

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Nachhaltigkeits-Gezwitscher 3:

Fair Fashion – gute Kleidung

Ein Blick auf das Etikett lohnt sich. Denn rund 60 Prozent unserer Kleidung bestehen ganz oder teilweise aus Baumwolle. Baumwolle fühlt sich angenehm auf der Haut an, ist langlebig und kann, je nach Anbau, große Unterschiede für Mensch und Umwelt machen.

 

Warum Baumwolle nicht gleich Baumwolle ist

Konventionelle Baumwolle gehört zu den am stärksten behandelten Nutzpflanzen weltweit. Sie wird vor allem in Indien, China, den USA, Brasilien und den afrikanischen Ländern südlich des Äquators angebaut. Beim Anbau kommen bei ihr besonders viele Pestizide zum Einsatz. Diese belasten Böden, Gewässer und vor allem die Menschen, die auf den Feldern arbeiten. Diese Arbeitende sind häufig Kinder, die zur Bestäubung, Unkrautbeseitigung, Pestizid-Ausbringung und Ernte beauftragt werden. Bio-Baumwolle geht hier einen anderen Weg: Sie wird ohne chemisch-synthetische Pestizide angebaut, schützt die Gesundheit der Bauernfamilien und schont die Natur und Umwelt von etlichen Menschen und Tieren. 

Noch besser wird es, wenn Baumwolle zusätzlich fair gehandelt ist. Fairtrade-Standards sorgen dafür, dass Produzierende feste Mindestpreise erhalten, keine Kinder arbeiten müssen, Arbeitende unter sicheren Bedingungen arbeiten und Perspektiven für ihre Familien haben. Faire Mode bedeutet also nicht nur Umweltschutz, sondern auch soziale Gerechtigkeit.

 

Drei einfache Tipps für Fair Fashion im Alltag

1. Auf die Materialzusammensetzung achten
Oft wird Baumwolle auch mit anderen Materialien (Hanf, Leinen, Seide/ Cupro, Lyocellstoffe) kombiniert, um Materialeigenschaften zu kombinieren und ein angenehmes Tragegefühl zu schaffen. Diese Naturfasern sind langlebig, atmungsaktiv und setzen beim Waschen im Gegensatz zu synthetischen Fasern, wie Polyester oder Acryl, keine Mikroplastikpartikel frei. Kleidung aus 100 Prozent Baumwolle lässt sich außerdem leichter reparieren, weitergeben oder recyceln.

2. Siegel geben Orientierung
Niemand muss Textilexpertin oder Textilexperte sein. Labels wie GOTS, Fairtrade Cotton oder Fair Wear helfen beim Einkauf. Sie stehen für ökologische Standards, faire Löhne und transparente Lieferketten. Ein kurzer Blick aufs Etikett reicht oft schon aus.

3. Weniger, dafür bewusster kaufen
Fair Fashion heißt nicht, den Kleiderschrank komplett neu zu bestücken. Im Gegenteil: Gut kombinierbare Lieblingsstücke, Secondhand-Mode oder kleine Reparaturen verlängern die Lebensdauer von Kleidung enorm. Wer seltener kauft, kann sich auch ein fair produziertes Teil leisten und spart langfristig Geld.

 

Fair Fashion vor Ort entdecken

Auch in Kempten gibt es Möglichkeiten, faire Mode kennenzulernen, zum Beispiel im Allgäu Fair Fashion Store in der Zwingerstraße. Nachhaltige Kleidung ist nämlich längst alltagstauglich, modern und für viele Menschen zugänglich. Das Team berät euch direkt vor Ort – gerne kombiniert mit einem Getränk im CommYOUnity-Space. Die Gemeinwohl-Gesellschaft e. V. ist überzeugt: Nachhaltigkeit darf leicht sein. Jeder bewusste Kauf ist ein Schritt in Richtung einer gerechteren und umweltfreundlicheren Welt. 

 

Fotos: Heuck/Glasow