DAS KEMPTENER STADTMAGAZIN

Öko-Eier vom Biohof Dötz in Sulzberg

 

Sandy liefert die Bio-Eier für den Osterhasen

Die meisten Allgäuer Öko-Eier werden in Sulzberg gelegt

Wenn man möchte, kann man den Biohof Dötz ökologisch korrekt besuchen - in 12 Minuten Fahrt mit dem Regionalzug ab Kempten Hauptbahnhof ist man im Weiler Ried. Nach ein paar Schritten steht der Besucher vor dem stattlichen Bio-Bauernhof, an der Hofeinfahrt ein Schild: „Bitte beachten Sie unsere Öffnungszeiten und respektieren Sie die Ruhe für unsere Tiere.“

Der Blick geht weit hinaus bis zur Burgruine Sulzberg und zum dunklen Höhenzug nördlich des Rottachsees. Oberallgäuer Idylle mit Alpenblick und doch auch „Arbeitsplatz“ für 10.000 weißgefiederte Legehennen. Zehntausend – so viele?! Jürgen Dötz reicht die Hand und lächelt: „10.000, das ist nichts Besonderes, in anderen Regionen Deutschlands gibt’s Legehennenbetriebe mit Hunderttausenden von Tieren!“ Zusammen mit seinem Sohn Julian (30) und Ehefrau Kornelia (61) lässt er seit mehr als einem Vierteljahrhundert Eier produzieren, in Bio-Qualität: „Das sind wir den Tieren schuldig, und das schätzen unsere Kunden.“ 

 

Eier vor dem Stempelgerät
Die 0 am Anfang des aufgestempelten Eiercodes zeigt an: Das hier sind Bio-Eier

 

Wintergarten und tonnenweise Futter

Bio, das heißt für die eierlegenden Hennen: genügend Auslauf, ein licht- und luftdurchfluteter Wintergarten, Platz auf weitläufigen Wiesen, um picken und scharren zu können oder einfach in der Allgäuer Sonne zu hocken, natürliche Bodenverhältnisse im Stall (dort dürfen sich nicht mehr als 3.000 Artgenossinnen tummeln), acht Stunden Nachtruhe ohne Kunstlicht. Dazu Futter aus ökologischem Landbau – sage und schreibe 24 Tonnen picken die Tiere in gut zwei Wochen auf: Sonnenblumenkuchen, Getreide, Erbsen, solche Leckereien. „Das wird alles genau vorgeschrieben und regelmäßig kontrolliert“, sagt Jürgen Dötz. Sitzstangen und Sandbäder gehören auch dazu, die Hühner müssen alles vorfinden, um sich natürlich verhalten zu können. Der anfallende Mist geht an einen Futterproduzenten – ein geradezu beispielhafter Kreislauf. 

Jetzt im Winter scheinen die Hennen ihren Wintergarten regelrecht zu genießen. „Die mögen keinen Schnee!“ lächelt Dötz (61) und streut frisches Futter unters gackernde Hühnervolk. Früher hat er auf seinem von den Eltern übernommenen Hof Milchkühe gehalten, das war zeitlich stressig und sehr aufwendig. Als der größte Allgäuer Lebensmittelversorger auf Produkte von hier setzte, sahen Kornelia und Jürgen eine gute Gelegenheit, ihr Arbeitsleben etwas weniger anstrengend zu gestalten. „Eier, wir brauchen Eier!“, war nach Besuchen bei fortschrittlichen Eierhöfen in der Schweiz ihre Erkenntnis, Eier in Öko-Qualität und in der Region produziert. Stand früher der Bio-Aspekt im Vordergrund, macht jetzt das Etikett „regional“ die Attraktivität aus.

 

Sandys sind sehr legefreudig und robust

Besonders geeignet fürs Eierlegen ist die Hühnerrasse „Sandy“: weniger Fleisch, sehr legefreudig, robust. Dötz kauft entsprechende Junghennen im Alter von etwa 18 Wochen, gewöhnt sie an ihre neue Umgebung in seinen vier Ställen und weiß: Nach etwa 14 Tagen starten seine Sandys richtig durch. 8.500 Eier pro Tag legen die lebhaften Tiere in abgedunkelte Nester („Die Henne braucht bei der Eiablage ihre Privatsphäre!“), dann rollen die Eier sanft auf Transportbänder, eine Spezialwaage sortiert sie nach Größe und Gewicht. Die Verbraucher finden in Läden und Supermärkten überwiegend die Größen L und M –  danach werden sie gestempelt: Die Ziffer 0 am Anfang des Codes steht für „bio“. Schmutzige Eier werden aussortiert, denn Eier dürfen nicht gewaschen werden, nur so bleibt ihr natürlicher Schutzfilm erhalten.

Der größte Teil der Sulzberger Eiablage wird von einer Packstation an Supermärkte und andere Großabnehmer ausgeliefert: Verbraucher im Gebiet zwischen Buchloe und dem Bodensee kommen in den Genuss der Allgäuer Bio-Eier. Kleinere Mengen verteilen Jürgen, Kornelia und Julian an lokale Vermarkter, außerdem kann man sie direkt im Hofladen in Ried kaufen (geöffnet mittwochs 17 bis 19 Uhr und samstags 9 bis 12 Uhr). Dort gibt Jürgen der Kundschaft in den Wochen vor Ostern auch nützliche Tipps für ihren Osterhasen mit: „Erstens: Kaufen Sie Ihre Eier rechtzeitig vor der Karwoche, die bleiben garantiert 28 Tage frisch. Zweitens: Lassen Sie unsere Eier nach dem Kauf noch vier, fünf Tage liegen, bevor Sie die hart kochen. Nur so lässt sich die Schale später leicht lösen!“

 

Alpakas als Wächter gegen Fressfeinde

Nach soviel Friede, Freude, Eierkuchen wird Jürgen Dötz etwas nachdenklich: „Leider sind unsere Hühner nicht immer so glücklich, wie man sie hier auf unserer Anlage gerade sieht. Es gibt Verluste!“ Füchse und Greifvögel haben den für sie geradezu paradiesisch reich gedeckten Tisch immer im Blick, Tag und Nacht. Immer wieder holen sie sich eine Henne – oder auch mehrere. Das kann auch der um das Areal gespannte Elektrozaun nicht verhindern. „Füchse sind einfach zu schlau“, weiß Dötz. Mit Bäumen und Sträuchern als Deckung bei einem Luftangriff versucht der Bauer seine vielen Sandys zu schützen. Und er baut auf seine tierisch guten Wächter: Elf aufmerksame Alpakas patrouillieren beim Freigang mit den Hennen über die Wiesen und leisten dabei hervorragende Abschreckungsarbeit. 

 

Text und Fotos: Lutz Bäucker